Es war der Osterurlaub des Jahres 2011, als mir im Hotel eine kleine Katze über den Weg lief. Laut miauend setzte sie sich neben uns an den Tisch. Der Vorsatz „Wir können hier im Hotel doch keine Katze füttern“ wandelte sich innerhalb von wenigen Minuten in „Was vom Büffet könnte denn der Katze schmecken?“ – und sie bekam reichlich. Das arme dürre Ding war ja obendrein auch noch schwanger! Die Kleine hatte schnell verstanden, wer ihr da das Futter bringt, und schon wich sie uns nicht mehr von der Seite. Schon am nächsten Tag gab es sogar einen Besuch am Pool – eine leere Liege gefällt einer Katze natürlich nicht, man legt sich lieber auf Touristen – oder wenn die Sonne brennt in den Schatten darunter. Jetzt musste natürlich auch ein Name her. Was liegt da unter der griechischen Sonne näher als Kazantzakis. Nikos Kazantzakis war einer der bedeutendsten griechischen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts, wurde auf Kreta geboren und starb 1957 in Freiburg im Breisgau.
Bei jeder Mahlzeit war Kazantzakis neben dem Tisch, ohne Probleme fand sich im All-inclusive-Menü auch katzenkompatible Leckereien. Doch wenige Tage vor der Abreise war sie verschwunden: Wahrscheinlich hat sie in einem dunklen Eck geworfen, alleine und ohne einen menschlichen „Dosenöffner“ der sich um sie und ihren Nachwuchs kümmerte. Obwohl wir sie nur wenige Tage gekannt hatten, drehten sich die Gedanken doch in den nächsten Tagen immer wieder um den armen kleinen Wurm und wie es ihr so unbehütet wohl gehen mag.
Kazantzakis war aber nicht nur eine Urlaubsbekanntschaft, sie war auch der endgültige Auslöser dafür, dass die Casa Schopf in Überlingen tierische Mitbewohner aufnehmen sollte. „Ach, wie gerne würde ich dich mitnehmen“ – „Ach, wie gerne hätte ich Kätzchen zu Hause“ – „Ja, warum hab ich eigentlich keine Katze daheim?“ – „Wenn ich nach Hause komme, werde ich Katzen bei mir aufnehmen“: Der Sinneswandel war schnell vollzogen.
In Erinnerung an die kleine Fellnase sollen meine Katzen mit Nachnamen Kazantzakis heißen im Gedenken an die niedliche Katze, die hoffentlich noch immer auf Kreta unterwegs ist ohne jemals zu wissen, wie gut sie es in menschlicher Obhut haben könnte.
Nun sollten die Vornamen natürlich auch zum Nachnamen passen – was liegt da bei einem All-Inclusive-Urlaub in griechischen Gefilden näher als „Raki“ und „Ouzo“? Die Idee war, welch Wunder, an der Pool-Bar spontan geboren und umso länger ich darüber nachdachte, desto besser gefallen mir die Namen.
Jetzt wohnen also Raki und Ouzo bei mir und haben nach dem Aufenthalt im Tierheim ein liebevolles Zuhause gefunden. Hier werden sie hoffentlich diese Zeit schnell vergessen und werden nie erfahren, wie schlecht es andere Kätzchen haben. So schlecht wie eben Kazantzakis, die heute noch auf Kreta und in unseren Gedanken herumstreunt…

ach ja, männo, kleine kazantzakis. hoffentlich gehts ihr gut....
AntwortenLöschenOhh! Schöne Geschichte, die mir echt nahe ging. Hoffentlich geht es der kleinen Katzenmama und den Katzenbabies gut!
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